Monitor Jugendarmut 2018: 3,4 Millionen Kinder und Jugendliche sind von Armut betroffen

Jugendarmut 2018 - Logo

Monitor Jugendarmut 2018: 3,4 Millionen Kinder und Jugendliche sind von Armut betroffen

Im Fokus des 5. Moni­tors „Jugend­ar­mut in Deutsch­land“ steht die Gegen­über­stel­lung von Mythen und Fak­ten im Hin­blick auf arme Jugend­li­che. Der Moni­tor Jugend­ar­mut 2018 ver­folgt das Ziel, die struk­tu­rel­len Ursa­chen von Jugend­ar­mut offen­zu­le­gen. Die offi­zi­el­le Sta­tis­tik spricht von gut 3,4 Mil­lio­nen armuts­ge­fähr­de­ten Kin­dern, Jugend­li­chen und jun­gen Erwach­se­nen. Exper­ten gehen jedoch von einer erheb­li­chen Dun­kel­zif­fer aus. Denn: Bestehen­de oder geplan­te Leis­tun­gen zur För­de­rung für Kin­der und Jugend­li­che sind eben­so wie die Hartz-​IV-​Sätze nicht „armuts­fest“, errei­chen arme Fami­li­en gar nicht oder wer­den – wie der Kin­der­zu­schlag – nicht bean­tragt, weil der Auf­wand viel zu hoch ist oder Infor­ma­tio­nen fehlen.

Strukturelle Benachteiligung verfestigt Armut

Der bestehen­de Hartz-​IV-​Regelsatz ist nicht „armuts­fest“, son­dern zu nied­rig, gera­de auch wenn es um die Sicher­stel­lung von (infor­mel­ler) Bil­dung und Teil­ha­be geht. Je älter Jugend­li­che wer­den und je mehr sie ver­su­chen, auf eige­nen Füßen zu ste­hen, des­to fol­gen­rei­cher wirkt sich aus, dass die bis­herige Grund­si­che­rung im SGB II für jun­ge Men­schen nicht aus­reicht, um die sozia­le und kul­tu­rel­le Teil­ha­be zu sichern.

Der aktu­el­le Regel­satz im SGB II für Jugend­li­che zwi­schen 14 und 18 Jah­ren beträgt 316 Euro, für unter 25-​Jährige im Eltern­haus (oder auch nach „nicht geneh­mig­tem Aus­zug“) sind es 332 Euro. Eige­ne Zuver­diens­te wer­den durch die engen Gren­zen auf 100 Euro beschränkt, das An­sparen eines „Start­ka­pi­tals“ in die Eigen­stän­dig­keit ist nicht mög­lich. Rund 2 Mil­lio­nen jun­ge Men­schen (bis 18 Jah­re) im Hartz-​IV-​Bezug wach­sen so als „Teil einer Bedarfs­ge­mein­schaft“ in einer Mangel­situation auf.

Die wider­sprüch­li­che Geset­zes­la­ge führt dazu, dass die Pha­se des Über­gangs beson­ders ris­kant ist: Vie­le Hil­fen im Rah­men des SGB VIII enden bereits mit Errei­chen des 18. Lebens­jah­res. Das SGB II wie­der­um geht davon aus, dass bis zum 25. Lebens­jahr eine Bedarfs­ge­mein­schaft mit den Eltern besteht. Die Ausbildungs­vergütung und ande­res „eige­nes“ Ein­kom­men wer­den auto­ma­tisch auf die Leis­tun­gen für die Bedarfs­ge­mein­schaft ange­rech­net. Gleich­zeitig besteht ein fak­ti­sches Aus­zugs­ver­bot bis zum 25. Lebens­­jahr, das erst auf­ge­ho­ben wird durch die Beschei­ni­gung des Jugend­amtes, dass ein Zusam­men­le­ben nicht mehr mög­lich ist (etwa weil die Eltern ihr Kind „vor die Tür gesetzt“ haben).

Besonders harte Sanktionsregeln für Jugendliche unter 25 Jahren

Für Jugend­li­che unter 25 Jah­ren, die Hartz IV bezie­hen, sind die Sank­tio­nen här­ter als für Erwach­se­ne: Beim ers­ten Regel­ver­stoß, der über ein Mel­de­ver­säum­nis hin­aus­geht, sieht das Gesetz eine hun­dert­pro­zen­ti­ge Sank­ti­on der Regel­leis­tun­gen vor. Beim nächs­ten Ver­stoß inner­halb eines Jah­res kann auch die Mie­te gekürzt wer­den. Die Anwen­dung die­ser ver­schärf­ten Sank­ti­ons­re­geln im SGB II führt dazu, dass jun­ge Men­schen deut­lich unter dem Exis­tenz­mi­ni­mum leben, jeg­li­chen Anspruch auf Unter­stüt­zung und dadurch gegebe­nen­falls auch ihre Woh­nung ver­lie­ren. Sie las­sen jun­ge Men­schen „abtau­chen“ und ber­gen ein hohes Risi­ko von Wohnungs- und Obdachlosigkeit.

Armut macht krank und grenzt aus – Jugendliche haben Anspruch auf ein gesundes Aufwachsen!

Jun­ge Men­schen, die in armen Fami­li­en auf­wach­sen und deren Eltern nur über gerin­ge Bil­dung ver­fü­gen, sind nicht nur in stark erhöh­tem Maße von Krank­heit, son­dern auch von Beeinträchti­gungen und Behin­de­run­gen betrof­fen. „Eltern mit nied­ri­gem Sozi­al­sta­tus schät­zen den all­ge­mei­nen Gesund­heits­zu­stand ihrer Kin­der am häu­figs­ten als nur mit­tel­mä­ßig oder schlecht ein.“ (sie­he Gesund­heit­li­che Ungleich­heit in unter­schied­li­chen Lebens­pha­sen, RKI 2018). „Chro­ni­sche Erkran­kungen wie Dia­be­tes, Blut­hoch­druck oder psy­chi­sche Stö­run­gen kom­men in sozi­al schwa­chen, bil­dungs­fer­nen Schich­ten viel häu­fi­ger vor“, so Prof. Dr. Gla­es­ke, Pro­fes­sor und Lei­ter der Abtei­lung „Gesund­heit, Pfle­ge & Alters­si­che­rung“ der Uni­ver­si­tät Bre­men (voll­stän­di­ges Inter­view, sie­he Moni­tor Jugend­ar­mut 2018, Sei­te 11).

Auch der Sozi­al­raum und die Wohn­si­tua­ti­on von Jugend­li­chen spie­len eine gro­ße Rol­le. Wohn­quar­tie­re, die von Armut geprägt sind und in denen es kei­ne „Mischung“ mehr gibt, stel­len ein gro­ßes Risi­ko für die gesell­schaft­li­che Teil­ha­be da, auch gesund­heit­li­che Pro­ble­me tre­ten dort stark gehäuft auf.

Monitor Jugendarmut 2018 — Jugendarmut aktiv bekämpfen

Die Katho­li­sche Jugend­so­zi­al­ar­beit in Deutsch­land über­nimmt eine Anwalts­funk­ti­on für die grö­ßer wer­den­de Zahl sozi­al benach­tei­lig­ter jun­ger Men­schen, zu denen auch die von Armut betrof­fe­nen gehö­ren. Mit unse­rer Initia­ti­ve und dem Moni­tor machen wir auf die bestehen­de Unge­rech­tig­keit in den (Start-)Chancen jun­ger Men­schen aufmerksam.

Den Moni­tor „Jugend­ar­mut in Deutsch­land 2018“ kön­nen Sie direkt am Bild­schirm lesen oder hier down­loa­den.

Tei­len mit:
Skip to content