Flüchtlinge

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Flüchtlinge

Chancen schaffen für junge Geflüchtete. Katholische Jugendsozialarbeit fordert Politik zum Handeln auf, damit Teilhabe für alle jungen Menschen in Deutschland gelingt.

Die Zuwan­de­rung jun­ger Schutz­su­chen­der for­dert die Jugend­so­zi­al­ar­beit mit all ihren Hand­lungs­fel­dern her­aus. Die Jugend­mi­gra­ti­ons­diens­te, die Ein­rich­tun­gen des Jugend­woh­nens, die schul­be­zo­ge­ne Jugend­so­zi­al­ar­beit und die Jugend­be­rufs­hil­fe arbei­ten mit jun­gen Geflüch­te­ten und wol­len ihnen Teil­ha­be ermög­li­chen. Aber Teil­ha­be und Inte­gra­ti­on kön­nen nur gelin­gen, wenn die jun­gen Schutz­su­chen­den voll­um­gäng­lich allen ande­ren jun­gen Men­schen in Deutsch­land gleich­ge­stellt wer­den. Das bedeu­tet einen unein­ge­schränk­ten Zugang von asyl­su­chen­den und gedul­de­ten jun­gen Flücht­lin­gen zu allen Leis­tungs­be­rei­chen der Kinder- und Jugend­hil­fe, der Arbeits­för­de­rung und zu För­der­maß­nah­men der schu­li­schen oder beruf­li­chen Bil­dung. Hier ist die Poli­tik gefragt.

“Der­zeit ist der Auf­ent­halts­sta­tus bzw. die Blei­be­per­spek­ti­ve wesent­li­ches Kri­te­ri­um für eine För­de­rung. Das gilt für schu­li­sche und sprach­li­che För­de­rung eben­so wie für beruf­li­che Bil­dung. Dabei gilt Art. 28 der UN-​Kinderrechtskonvention auch für geflüch­te­te Kin­der und Jugend­li­che in Erst­auf­nah­me — oder Lan­des­ein­rich­tun­gen. Die­se jun­gen Men­schen haben ein Recht auf sta­tus­un­ab­hän­gi­ge bedarfs­ge­rech­te Ange­bo­te der Jugend­hil­fe und der sprach­li­chen sowie schu­li­schen Förderung.

„Egal wo die jun­gen Men­schen unter­ge­bracht sind oder wel­chen Sta­tus sie haben – das Recht auf Bil­dung muss umge­setzt wer­den“, for­dert Lisi Mai­er, Vor­sit­zen­de der Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Katho­li­sche Jugend-​sozialarbeit (BAG KJS) e. V.. Mai­er wei­ter: „Der indi­vi­du­el­le Unter­stüt­zungs­be­darf ist bei allen jun­gen Men­schen zu iden­ti­fi­zie­ren und mit bedarfs­ge­rech­ten Ange­bo­ten ist Hil­fe zu leis­ten, nur dann kann Teil­ha­be in allen Lebens­be­rei­chen gelin­gen. Dabei darf es kei­ne Rol­le spie­len, wel­che Natio­na­li­tät ein Mensch besitzt oder wel­chen Auf­ent­halts­sta­tus. Jeder Mensch der in Deutsch­land lebt, soll sei­ne Teil­ha­be­chan­cen umfäng­lich nut­zen dürfen.“

Die Jugend­so­zi­al­ar­beit in katho­li­scher Trä­ger­schaft leis­tet dazu ihren Bei­trag. Aber ohne Ver­än­de­rung der gesetz­li­chen Rah­men­be­din­gun­gen wird die­ses Enga­ge­ment ein­ge­schränkt. Die letz­ten gesetz­li­chen Ent­schei­dun­gen sind inte­gra­ti­ons­hem­mend. Für sub­si­di­är Geschütz­te wur­de die Familien-​zusammenführung aus­ge­setzt. Für aner­kann­te Flücht­lin­ge wird der Fami­li­en­nach­zug durch büro­kra­ti­sche Hür­den zeit­lich ver­zö­gert oder ganz verhindert.

Die katho­li­sche Jugend­so­zi­al­ar­beit erteilt allen Ten­den­zen von Dis­kri­mi­nie­rung, Rechts­po­pu­lis­mus und Ras­sis­mus eine kla­re Absa­ge und tritt ein für eine viel­fäl­ti­ge Gesellschaft.

Aus­ge­hend von einer hand­lungs­feld­über­grei­fen­den bun­des­wei­ten Tagung for­dert die katho­li­sche Jugend­so­zi­al­ar­beit daher:

  • Anstel­le kurz­fris­ti­ger Pro­jekt­fi­nan­zie­rung sind das Regel­an­ge­bot und die Infra­struk­tur der Jugend­so­zi­al­ar­beit finan­zi­ell abzusichern.
  • Jeder jun­ge Mensch soll einen Schul­ab­schuss erwer­ben bzw. nach­ho­len können.
  • Jun­gen Men­schen ist wäh­rend einer Aus­bil­dung und min­des­tens ein Jahr im Anschluss ein siche­rer Auf­ent­halts­sta­tus zu gewäh­ren; der siche­re Auf­ent­halts­sta­tus ist auch wäh­rend eines Frei­wil­li­gen­diens­tes zu gewährleisten.
  • För­der­mög­lich­kei­ten der Bun­des­agen­tur für Arbeit müs­sen allen jun­gen Men­schen offen ste­hen – auch Geduldeten.
  • Spä­tes­tens nach drei Mona­ten müs­sen alle jun­gen Men­schen – unab­hän­gig von ihrem Auf­ent­halts­sta­tus — Zugang zu Bildungs‑, Ausbildungs- und/​oder Arbeits­för­de­rung erhalten.
  • Schul­be­su­che sind allen jun­gen Men­schen zu ermöglichen.
  • Schul­so­zi­al­ar­beit ist sys­te­ma­tisch aus­zu­bau­en und finan­zi­ell abzusichern.
  • Jugend­hil­fe­leis­tun­gen für jun­ge Erwach­se­ne sind nicht nur als „Kann-​Leistung“, son­dern als Pflicht­leis­tung gesetz­lich zu verankern.
  • Die inte­gra­ti­ons­feind­li­che Aus­set­zung des Fami­li­en­nach­zugs für sub­si­di­är Geschütz­te ist zurück zu nehmen.
  • For­ma­le und büro­kra­ti­sche Hin­der­nis­se um den Anspruch auf Fami­li­en­zu­sam­men­füh­rung durch-​zusetzen, sind zu beseitigen.
  • Im Sin­ne einer gelin­gen­den beruf­li­chen und sozia­len Inte­gra­ti­on aller jun­gen Men­schen sind Schnitt­stel­len­pro­ble­me zwi­schen Jugend­hil­fe, Arbeits­för­de­rung, Grund­si­che­rung für Arbeit­su­chen­de, Auf­ent­halts­ge­setz und Asyl­be­wer­ber­leis­tungs­ge­setz zu besei­ti­gen. Eine rechts­kreis­über­grei­fen­de För­de­rung ist gesetz­lich zu ermöglichen.

Die­se For­de­run­gen resul­tie­ren aus acht Pra­xis­work­shops und fünf Fach­vor­trä­gen bzw. Fach­dis­kus­sio­nen einer bun­des­wei­ten Fach­ta­gung. Über 100 Teil­neh­men­de aus allen Hand­lungs­fel­dern der Jugend-​sozialarbeit sind sich einig: Wir schaf­fen Chan­cen für jun­ge Geflüch­te­te, aber ohne Unter­stüt­zung geht es nicht.”

Die Fach­ta­gung wur­de ver­an­stal­tet von:

  • Bund der Deut­schen Katho­li­schen Jugend
  • IN VIA Katho­li­scher Ver­band für Mädchen- und Frau­en­so­zi­al­ar­beit – Deutsch­land e. V.
  • Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft Katho­li­sche Jugend­so­zi­al­ar­beit NRW
  • Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft Katho­li­sche Jugend­so­zi­al­ar­beit (BAG KJS) e. V.

Quel­le:
BAG KJS

Pres­se­mit­tei­lung herunterladen:
PM For­de­run­gen Flüchtlingstagung

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