Soziale Arbeit und Demo­kra­tie­arbeit unter Recht­fer­ti­gungs­druck von rechts

Auf einer Säule stehen die Worte "Demokratie, Grundrechte, Rechtsstaat & Freiheit." Im Hintergrund sieht man in der Ferne ein Gebäude mit vielen Glasfenstern.

Soziale Arbeit und Demo­kra­tie­arbeit unter Recht­fer­ti­gungs­druck von rechts

In der aktu­ellen poli­ti­schen und gesell­schaft­lichen Situation geraten Fach­kräfte und Träger zivil­ge­sell­schaft­licher Orga­ni­sa­tionen, ins­be­sondere dort, wo explizit Demo­kra­tie­arbeit, Migra­ti­ons­be­ratung und poli­tische Bildung umge­setzt werden, zunehmend unter Druck – und das von meh­reren Seiten zugleich. Rechts­po­pu­lis­tische und extrem rechte Akteur*innen, allen voran die AfD und ihr Umfeld, ver­suchen, demo­kra­tische Bildungs- und Bera­tungs­an­gebote als „ideo­lo­gisch“ oder „ein­seitig“ zu dis­kre­di­tieren und ihre Legi­ti­mität zu untergraben.

Gleich­zeitig ver­schärfen sich seit Jahren migra­ti­ons­po­li­tische Debatten, die dazu führen, dass diverse Pro­gramme und Angebote im Migra­ti­ons­be­reich immer häu­figer zur Pro­jek­ti­ons­fläche für Unmut über Flucht und Inte­gra­ti­ons­po­litik werden. In diese Ent­wicklung reiht sich auch die Kleine Anfrage der CDU/​CSU-​Bundestagsfraktion zur „Poli­ti­schen Neu­tra­lität staatlich geför­derter Orga­ni­sa­tionen“, in der nicht weniger als 551 Ein­zel­fragen zu Finan­zierung, Gemein­nüt­zigkeit und ver­meint­licher poli­ti­scher Par­tei­lichkeit von 17 zivil­ge­sell­schaft­lichen Orga­ni­sa­tionen abge­fragt wurden. Enga­gierte NGOs wurden damit unter einen pau­schalen Neu­tra­li­täts­vor­behalt gestellt. Das Miss­trauen gegenüber der demo­kra­ti­schen Zivil­ge­sell­schaft wurde öffentlich aus der selbst­de­fi­nierten poli­ti­schen Mitte heraus ein­ge­standen. 

Vor diesem Hin­ter­grund sind auch Träger und Fach­kräfte der Jugend­so­zi­al­arbeit nicht nur mit einer wach­senden Zahl ver­un­si­cherter oder direkt betrof­fener Adressat*innen kon­fron­tiert, sondern auch selbst Adressat poli­ti­scher Aus­ein­an­der­set­zungen – und damit gefordert, ihre Rolle, Haltung und Schutz­struk­turen neu zu bestimmen. 

Als Unter­stüt­zungs­an­gebot ange­sichts dieser Bedarfe hat die Bun­des­ar­beits­ge­mein­schaft katho­lische Jugend­so­zi­al­arbeit e. V. in Koope­ration mit dem Projekt „Abge­hängt? Ein­geholt! – jung, ländlich & viel­fältig“ der Andreas Hermes Aka­demie e. V. im Jahr 2025 eine Tagungs­reihe für Lei­tungs­kräfte der Jugend­mi­gra­ti­ons­dienste umge­setzt. In vier Online-​Modulen haben wir uns gemeinsam mit den Trägern und ein­ge­la­denen Referent*innen mit rechten/​rechtsextremen Bedro­hungs­lagen, Haltung, Kom­mu­ni­kation und insti­tu­tio­nellen Hand­lungs­spiel­räumen beschäftigt. Alle Module kom­bi­nierten Inputs mit Aus­tausch, Fall­arbeit und Reflexion. 

Inhalte und Erkennt­nisse aus der Modul-​Reihe 

Die Ver­an­stal­tungs­reihe beschäf­tigte sich mit den wach­senden Angriffen auf und Infra­ge­stel­lungen der Sozialen Arbeit und Demo­kra­tie­bildung durch rechte und rechts­po­pu­lis­tische Akteur*innen. Sie zeigte zum einen auf, mit welchen Nar­ra­tiven, Stra­tegien und Kam­pagnen diese ver­suchen, Pro­jekte vor Ort zu dis­kre­di­tieren und unter poli­ti­schen, medialen und finan­zi­ellen Druck zu setzen. Deutlich wurde, dass diese Angriffe Aus­druck gesell­schaft­licher Macht­kämpfe um Begriffe wie Neu­tra­lität, Demo­kratie und Mei­nungs­freiheit sind und kein indi­vi­du­elles Ver­sagen oder Fehl­ver­halten dar­stellen. Zum anderen wurde ana­ly­siert, wie rechte Akteur*innen Krisen gezielt nutzen, um Jugend­liche anzu­sprechen und Träger durch Anfragen, juris­tische Mittel oder Dro­hungen mit Mit­tel­kür­zungen zu ver­un­si­chern.  

Zugleich klärte die Reihe recht­liche Grund­lagen zu Neu­tra­lität, Gemein­nüt­zigkeit und poli­ti­scher Posi­tio­nierung sozialer Orga­ni­sa­tionen. Dabei wurde deutlich, dass es für freie Träger der Jugend­hilfe kein gene­relles poli­ti­sches Neu­tra­li­täts­gebot gibt, sondern dass ihre Aufgabe gerade darin besteht, gegen demo­kra­tie­feind­liche und men­schen­ver­ach­tende Ein­stel­lungen Haltung zu zeigen. Eine hilf­reiche Erkenntnis war daher, dass poli­tische Betä­tigung gemein­nüt­zigen Orga­ni­sa­tionen auf Grundlage des der­zei­tigen Gemein­nüt­zig­keits­rechts erlaubt ist, wenn diese Betä­tigung dem sat­zungs­ge­mäßen Zweck dient. 

Ein wei­terer Schwer­punkt lag auf Kom­mu­ni­kation in kon­flikt­haften Situa­tionen mit rechten oder men­schen­feind­lichen Aus­sagen. Hier wurde geübt, klar, pro­fes­sionell und wer­te­ba­siert zu reagieren, Grenzen zu setzen und Betroffene zu schützen, ohne zu mora­li­sieren. Abschließend ging es darum, die Erkennt­nisse dau­erhaft in Orga­ni­sa­ti­ons­struk­turen zu ver­ankern, damit nicht Ein­zelne, sondern Insti­tu­tionen ins­gesamt Ver­ant­wortung über­nehmen und Schutz bieten. 

Tagungs­reihe „Rechts­po­pu­lismus und Extre­mismus als Her­aus­for­derung für Träger“ 

  • Modul 1: Gesell­schaft­licher Druck & rechte Bedrohung: „Zwi­schen Anklage und Abwertung – Warum geraten Soziale Arbeit und Demo­kra­tie­bildung unter Druck?“ 
  • Modul 2: Haltung, Neu­tra­lität & Ver­ant­wortung: „Wo stehen wir – und was dürfen wir eigentlich?“ 
  • Modul 3: Kom­mu­ni­kation & Kon­fron­tation: „Was tun, wenn’s knallt?“ 
  • Modul 4: Hand­lungs­spiel­räume & Transfer: „Und was heißt das jetzt für unsere Praxis?“ 

Bünd­nisse als Schutz­funktion: Netz­werk­arbeit jen­seits der Sym­bolik 

Ein zen­trales Motiv der Tagungs­reihe – explizit im vierten Modul, aber implizit in allen Modulen – ist die Ein­sicht, dass ein­zelne Träger rechten Angriffen und Bedro­hungen nicht allein begegnen können. For­schungs­er­geb­nisse aus dem Projekt BEWARE der Hoch­schule Nie­der­rhein machen deutlich, dass belastbare Netz­werke und Bünd­nisse eine ent­schei­dende Res­source dar­stellen, um Bedro­hungen zu bear­beiten und orga­ni­sa­to­rische Resi­lienz auf­zu­bauen. Für die Jugend­so­zi­al­arbeit bedeutet dies, Netz­werk­arbeit nicht als optio­nales Zusatzfeld, sondern als inte­gralen Bestandteil des pro­fes­sio­nellen Selbst­ver­ständ­nisses zu begreifen. 

Bünd­nisse ent­falten dabei in mehr­facher Hin­sicht eine Schutz­funktion. Zum einen ermög­lichen gemeinsame Posi­tio­nie­rungen von Trä­ger­ver­bünden, kom­mu­nalen Netz­werken und Fach­gremien eine Ent­per­so­na­li­sierung von Angriffen: Es wird sichtbar, dass es sich nicht um ver­meint­liche Ein­zel­po­si­tionen handelt, sondern um einen geteilten demo­kra­ti­schen Konsens. Gerade in schu­li­schen Kon­texten, in denen Jugend­so­zi­al­arbeit häufig iso­liert wahr­ge­nommen wird, ist die Anbindung an kom­munale Netz­werke, Jugend­hil­fe­aus­schüsse, Fach­ver­bände und Initia­tiven gegen Rechts von zen­traler Bedeutung. Zum anderen kommt spe­zia­li­sierten Bera­tungs­stellen – etwa Mobilen Bera­tungs­teams, Opfer­be­ra­tungs­stellen oder demo­kra­tie­päd­ago­gi­schen Fach­stellen – eine wichtige Rolle zu. Sie ver­fügen über spe­zi­fische Erfahrung mit Bedro­hungs­lagen und unter­stützen Träger bei Risi­ko­ana­lysen, Kom­mu­ni­ka­ti­ons­stra­tegien und der Ent­wicklung von Sicher­heits­kon­zepten, etwa auch für öffent­liche Ver­an­stal­tungen. 

Damit Netz­werke im Ernstfall tat­sächlich tragen, müssen Rollen und Zustän­dig­keiten klar geregelt sein: Wer wird im Kri­senfall infor­miert, wer über­nimmt die Öffent­lich­keits­arbeit, wer koor­di­niert juris­tische Schritte? Unklare oder lediglich sym­bo­lische Bünd­nisse bergen hin­gegen die Gefahr, Erwar­tungen zu wecken, die in Bedro­hungs­si­tua­tionen nicht ein­gelöst werden können. Hinzu kommt, dass Bedro­hungs­lagen für Mit­ar­bei­tende oft mit erheb­lichen emo­tio­nalen Belas­tungen, Rück­zugs­be­we­gungen oder Formen der Selbst­zensur ver­bunden sind. Studien aus dem BEWARE-​Kontext zeigen, dass viele Enga­gierte zwar wei­ter­machen, sich aber zunehmend ver­un­si­chert fühlen. Für Lei­tungs­kräfte folgt daraus die Aufgabe, aktiv für psy­chische Sicherheit zu sorgen – durch trans­pa­rente Kom­mu­ni­kation, ver­läss­lichen Rückhalt bei Angriffen, Angebote von Super­vision und die klare Zusage, dass niemand mit Bedro­hungen allein gelassen wird. 

Kri­tische Ein­ordnung: Stärken, Leer­stellen und besondere Relevanz für die Jugend­so­zi­al­arbeit 

Die Tagungs­reihe adres­sierte Lei­tungs­kräfte, die sich im Span­nungsfeld von fach­lichem Anspruch, poli­ti­schem Druck, För­der­lo­giken und Per­so­nal­ver­ant­wortung bewegen. Aus Per­spektive der Jugend­so­zi­al­arbeit lassen sich dabei sowohl deut­liche Stärken als auch Ent­wick­lungs­be­darfe erkennen. Positiv her­vor­zu­heben ist zunächst die klare Fokus­sierung auf Bedro­hungs­er­fah­rungen einer­seits und aktive Hand­lungs­stra­tegien ande­rer­seits. Durch die Ein­bindung aktu­eller For­schung wird sichtbar, dass es sich bei Angriffen auf Demo­kra­tie­pro­jekte und Träger der Sozialen Arbeit nicht (nur) um zufällige Ein­zel­fälle handelt, sondern um struk­tu­relle Rah­men­be­din­gungen, unter denen demo­kra­tische Soziale Arbeit derzeit statt­findet. 

Eine weitere Stärke lag in der Ver­knüpfung von recht­licher Ori­en­tierung, Hal­tungs­arbeit und Pra­xis­re­flexion. Die Tagungs­reihe nahm die viel dis­ku­tierte Neu­tra­li­täts­frage, das Gemein­nüt­zig­keits­recht und die daraus abge­lei­teten Hand­lungs­spiel­räume von Trägern aus­drücklich in den Blick und verband diese recht­lichen Klä­rungen mit der Reflexion pro­fes­sio­neller Haltung sowie mit kom­mu­ni­ka­tiven Stra­tegien für den Alltag. Viele Lei­tungs­kräfte erleben, dass sie zwar fachlich Position beziehen möchten, sich aber hin­sichtlich recht­licher Grenzen und mög­licher Sank­tionen unsicher fühlen. Ergänzend dazu wurde deutlich, dass es nicht bei indi­vi­du­eller Fort­bildung stehen bleiben kann, sondern dass orga­ni­sa­ti­ons­in­terne Pro­zesse not­wendig sind, um dem beschrie­benen Druck nach­haltig begegnen zu können. 

Gleich­zeitig wurden in der Tagungs­reihe auch Leer­stellen bzw. weitere Not­wen­dig­keiten sichtbar. Die Online-​Formate, Fall­bei­spiele und Werk­zeuge sind hilf­reich, ersetzen aber nicht die not­wendige orga­ni­sa­ti­ons­in­terne Ver­än­de­rungs­arbeit. Anpas­sungen von Dienst­ver­ein­ba­rungen, Krisen- und Kom­mu­ni­ka­ti­ons­plänen oder die ver­bind­liche Ver­an­kerung von Schutz­kon­zepten können nicht allein über Fort­bildung „von außen“ geleistet werden. Es wäre daher wün­schenswert, Ein­rich­tungen über die Tagungs­reihe hinaus sys­te­ma­tisch zu begleiten und län­ger­fristige Pro­zesse der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wicklung anzu­stoßen. Hinzu kommt, dass Kon­flikte um Migration, Armut und Bil­dungs­ge­rech­tigkeit sich in den Feldern sozialer Orga­ni­sa­tionen, also auch in der Jugend­so­zi­al­arbeit und in den Jugend­mi­gra­ti­ons­diensten besonders ver­dichten, ebenso der Druck durch lokale Öffent­lich­keiten. Eine stärkere Fokus­sierung auf Schule als Hand­lungsraum, inklusive Eltern­arbeit, Gre­mi­en­struk­turen und Schul­auf­sicht, könnte die Relevanz der Angebote für die Jugend­so­zi­al­arbeit weiter erhöhen. 

Schließlich wurde in der Tagungs­reihe auch sichtbar: Wenn Lei­tungs­kräfte ermutigt werden, klare Haltung zu zeigen, muss gleich­zeitig mit­ge­dacht werden, wie hierfür tat­säch­liche Res­sourcen und Rückhalt – etwa durch Trä­ger­ver­bünde, Ver­bände, Politik und För­der­mit­tel­ge­bende – gesi­chert werden können. Die Frage, wie För­der­be­din­gungen, poli­ti­scher Druck oder lokale Macht­ver­hält­nisse Hand­lungs­spiel­räume begrenzen, bleibt bislang eher implizit und könnte in künf­tigen Ange­boten deutlich stärker explizit auf­ge­griffen werden. 

Warum das für die Jugend­so­zi­al­arbeit zentral ist 

Für die Jugend­so­zi­al­arbeit ist der Umgang mit Rechts­po­pu­lismus und Extre­mismus kein Rand- oder „Zusatz­thema“, sondern berührt den Kern ihres fach­lichen Auf­trags. Jugend­so­zi­al­arbeit unter­stützt junge Men­schen beim Auf­wachsen in einer demo­kra­ti­schen Gesell­schaft und bei der Teilhabe an Bildung, Arbeit und sozialem Leben. Gerade hier kon­kur­rieren rechts­po­pu­lis­tische Deu­tungs­an­gebote mit sozi­al­päd­ago­gi­schen Ansätzen: Sie arbeiten mit ein­fachen Feind­bildern, stellen Zuge­hö­rigkeit in Aus­sicht und liefern scheinbar klare Schuld­zu­schrei­bungen für kom­plexe Pro­blem­lagen. In vielen Hand­lungs­feldern der Jugend­so­zi­al­arbeit – etwa an Schulen, in Über­gangs­an­ge­boten oder in Pro­jekten der poli­ti­schen Bildung – prallen diese Deu­tungen direkt auf­ein­ander. 

Fach­kräfte geraten dadurch in dop­pelte Belas­tungen: Einer­seits begleiten sie Jugend­liche, die selbst demo­kra­tie­feind­liche Ein­stel­lungen äußern oder aus ent­spre­chenden Milieus kommen. Ande­rer­seits erleben sie Angriffe auf ihre Pro­jekte und Träger, werden als „poli­tisch ein­seitig“ mar­kiert oder müssen sich gegenüber För­der­mit­tel­ge­benden, Eltern oder Politik recht­fer­tigen. Lei­tungs­kräfte stehen damit vor der Aufgabe, Rah­men­be­din­gungen zu schaffen, in denen Fach­kräfte demo­kra­tie­stärkend handeln können, ohne sich per­manent in einer Ver­tei­di­gungs­po­sition zu befinden. 

Aus­blick: Ver­tiefung und Spe­zia­li­sierung der Tagungs­reihe 

Die bis­he­rigen Stärken und Leer­stellen der Reihe bilden den Aus­gangs­punkt für ihre inhalt­liche Wei­ter­ent­wicklung und Fort­führung. Geplant ist, das Format durch spe­zi­fi­schere Angebote zu ver­tiefen. Ein zen­traler Schwer­punkt wird die anhal­tende Unsi­cherheit zu Neu­tra­lität, Gemein­nüt­zigkeit und För­der­recht sein. Viele Träger stehen im Span­nungsfeld, sich klar gegen Rechts­extre­mismus zu posi­tio­nieren und zugleich Erwar­tungen an „Neu­tra­lität“ und Gemein­nüt­zigkeit zu erfüllen. Deshalb ist ein Modul mit juris­ti­scher Expertise vor­ge­sehen, das recht­liche Rah­men­be­din­gungen erklärt und kon­krete Fragen der Teil­neh­menden beant­wortet. Ein wei­teres Modul wird Schutz­kon­zepte mit inter­sek­tio­naler Per­spektive wei­ter­ent­wi­ckeln und ver­schiedene Dis­kri­mi­nie­rungs­formen berück­sich­tigen und wie diese Kon­zepte sowohl für Adressat*innen als auch für Mit­ar­bei­tende wirksam werden. 

Zusätzlich sollen Unter­schiede zwi­schen städ­ti­schen und länd­lichen Räumen the­ma­ti­siert werden. Rechts­po­pu­lis­tische Mobi­li­sierung, ver­fügbare Netz­werke, Res­sourcen und Hand­lungs­mög­lich­keiten stellen sich in Groß­städten, Mit­tel­zentren und länd­lichen Regionen sehr unter­schiedlich dar. Für die Jugend­so­zi­al­arbeit bedeutet dies, dass Schutz- und Hand­lungs­stra­tegien stärker an diese unter­schied­lichen Kon­texte ange­passt werden müssen. Im Hin­blick auf anste­hende Land­tags­wahlen 2026 ist dies besonders relevant: Wahl­kämpfe ver­stärken häufig Pola­ri­sie­rungs­ten­denzen und können Druck­si­tua­tionen vor Ort ver­schärfen. Das Modul soll Raum bieten, ent­spre­chende Erfah­rungen zu reflek­tieren, regionale Unter­schiede her­aus­zu­ar­beiten und kon­text­sen­sitive Stra­tegien zu ent­wi­ckeln – etwa im Hin­blick auf Öffent­lich­keits­arbeit, Bünd­nisse oder den Schutz von Mit­ar­bei­tenden.  

Ins­gesamt zielt die Fort­führung der Tagungs­reihe darauf, Lei­tungs­kräfte nicht nur situativ zu unter­stützen, sondern mit­tel­fristig einen kon­ti­nu­ier­lichen Lern- und Ver­net­zungsraum zu eta­blieren. Ange­sichts der Dynamik rechts­po­pu­lis­ti­scher Angriffe und der zuneh­menden Bedeutung recht­licher und för­der­po­li­ti­scher Rah­men­be­din­gungen braucht es stabile Formate, in denen Wissen aktua­li­siert, Stra­tegien wei­ter­ent­wi­ckelt und Koope­ra­tionen gepflegt werden können. 

Autorin: Maryam Tiouri 

Dieser Fach­beitrag erschien erst­malig in den Jugend­so­zi­al­arbeit aktuell Nr. 242/​2026 der Lan­des­ar­beits­ge­mein­schaft Katho­lische Jugend­so­zi­al­arbeit Nordrhein-​Westfalen e. V. 

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